Uni
1. September 2009
Gestern und heute war dann die erste Begegnung mit der Uni. Leute, ich sag euch was, wenn ihr Deutschland für bürokratisch haltet, kommt nie nach Island.
Der absolute Wahnsinn. Am Freitag haben wir uns beim Einwohnermeldeamt oder so ähnlich registriert, bzw. einen Antrag auf die ID-Nummer (isländisch kennitala) gestellt. Denn erst, wenn man diese Nummer hat, die die Isländer von Geburt an haben, kann man sich überhaupt erst richtig an der Uni einschreiben. Da hieß es, unsere kennitala sei am Montag da und wird zur Uni gefaxt. Also waren wir gestern bei der Uni. Am Service Desk muss man erstmal einen Nummer ziehen und dann eben warten. Es war alles voller Austauschstudenten, von überall hörte man ein Sprachwirrwarr, das war irgendwie cool ^^
Als wir dann dran waren die Enttäuschung: Nö, eure kennitala ist noch nicht da. Aber ich geb euch schonmal die Formulare, die füllt ihr aus und gebt sie morgen wieder ab, dann müsste die ID auch da sein.
Später war dann noch das Orientation meeting for international students, da gab es so viel Infos, dass ich am Ende echt nicht mehr wusste, wo ich bin, wie ich heiße, und überhaupt. Heftig.
Gestern Abend haben wir (meine Mitbewohnerin P und ich) uns dann noch mit unseren französischen Nachbarn (sie ist übrigens halb irisch halb französisch, sehr interessant!) und 2 anderen deutschen Mädchen getroffen um was trinken zu gehen. Wurde ein richtig schöner Abend in einer tollen Bar mit buy one get one free-Bier, irgendwann saßen wir dann zu ich hab keine Ahnung wievielen Erasmusleuten an einem Tisch, Deutsche, Franzosen, Spanier, Finnen, Italiener – hach, schön!
Heute war dann das Begrüßungsmeeting von unserer Fakultät, auch wieder Infos ohne Ende, und der nächste Versuch am Service Desk, diesmal erfolgreich, unsere kennitala ist da!
Also Registrierungsformular abgeben und danach zum nächsten Meeting, bzgl. Isländischkurs. Da dann die nächste große Überraschung: wir hatten uns bisher für die völlig falschen Kurse angemeldet und eingetragen, weil unser Dozent in Deutschland scheinbar keine Ahnung hatte. Also neue Kurse raussuchen, wieder ein Formular ausfüllen und abgeben, das Learning Agreement für Erasmus neu schreiben und irgendwie unterschreiben und stempeln lassen und nach Deutschland schicken…
Zwischendurch noch erfahren, dass der eine Dänischkurs, den wir belegen wollten, gar nicht mehr angeboten wird, also wird es statt dänischer Jugendsprache (hätte ich so gern gemacht!!!) jetzt dänische Gegenwartsliteratur. Wenn überhaupt. Denn mit Isländisch haben wir schon unsere 30 ECTS voll, und wir dürfen maximal 40 haben, bleibt die Frage, ob der Kurs “Dänische Sprache und Sprachgebrauch III” mit 5 oder mit 10 ECTS gewertet wird? Wenn es 5 sind, könnten wir noch den Kurst “Isländische Kultur” dazuquetschen, ansonsten bleibt es bei “Vocabulary I”, “Speech and pronounciation I”, “Self study” und “Dänische Sprache und Sprachgebrauch III”. Mal sehen.
Die Unigebäude kenne ich jetzt zum Teil auch schon, eine kurze Führung für die neuen Studenten hab ich heute mitgemacht, morgen gibts eine Schnitzeljagd(?) auf dem Campus, mal abwarten, wie das wird. An sich ist die Uni echt toll, alles auf einem Campus, das kenn ich ja bisher so gar nicht. Die Cafeteria (als Mensaersatz) hat eine große Auswahl, sogar bezahlbar, doch, die Uni gefällt mir. Bis auf den ganzen Papierkram.
Zum mehr Fotos machen kam ich noch gar nicht, meine Kamera ist verschwunden -.-
Wir durften gestern noch in ein größeres Zimmer umziehen und haben erstmal alles irgendwie in die Koffer geschmissen und rübergeschleppt, ich hoffe, dass sie spätestens am Donnerstag, wenn wir endlich ins Appartment dürfen und endlichendlich mal auspacken können, wieder auftaucht. Obwohl ich sie morgen bei der “Me.et your bud.dy-pa.rty” (Punkte, damit es nicht googlebar ist) schon ganz gerne hätte…
Auf meinen Buddy bin ich übrigens mal sehr gespannt, der Gute meldet sich nämlich nur höchst spärlich bis gar nicht bei mir und reagiert weder auf Emails noch auf SMS… Achja, und eine isländische Simkarte hab ich jetzt auch. Höchst praktisch, weil SMS und anrufen zu anderen mit dem gleichen Netzbetreiber sind umsonst, und alle Erasmusleute haben die Karte umsonst bekommen…
Boah, ich bin so voll von neuen Eindrücken und Bildern und Menschen und Sprachen. Das Leben lebt sich selbst gerade, und das mit einer Geschwindigkeit, dass ich kaum mitkomme. Aber es macht Spaß! Wirklich.
(Und Reykjavík gibt mir so sehr das Zuhause-Gefühle, nachdem ich mich gesehnt habe, ich wage es kaum zu glauben, ehrlich.)
Noch 22 Stunden und 34 Minuten.
27. August 2009
Ich versuche, völlig ruhig zu bleiben. Oder zumindest so ruhig, wie es irgendwie geht.
Ich sitze im Bett, Laptop auf dem Schoß, Radio im Hintergrund, und spiele Mahjong.
Irgendwie schrecke ich auf, als im Radio dieses Lied läuft.
Everything’s gonna be alright
Und auf einmal glaube ich es. Wirklich. Ich bin überzeugt davon, dass alles gut wird. Irgendwann.
Es ist nicht meine Art von Musik, ich mag den Text nicht, die Stimme nicht – aber diese eine Zeile macht viel aus.
Vielleicht auch deshalb, weil ich vorhin auf dem Balkon stand und Richtung Sonnenuntergang guckte und mir endlich klar wurde, was das für eine Sehnsucht ist, die mich jetzt schon so lange beschäftigt. Die Sehnsucht nach (m)einem Zuhause. Nach meinem Ort. Und wer weiß, vielleicht wird Reykjavík ja genau dieser Ort sein? Wer weiß das schon.
Ich bin also optimistisch und gehe mit dieser Zeile und einem Lächeln in die letzte Nacht hier.