Ausführlicheres.
6. September 2009
(Mir gehts heute nicht wirklich gut. Wenn ich also beim schreiben immer selbstmitleiderisch werde, ignoriert es einfach, danke.)
(Ich hab gestern in dem Eintrag ein bisschen was verschwiegen, also nicht wundern.)
Also. Da war dieser Freitagabend. Da waren wir Mädels, P., B., L., J., S. und ich. Da war diese Bar und der Kicker. Wir spielten eine Runde, oder zwei, irgendwann kamen andere Erasmusleute dazu, man redete, so das übliche halt: “Wie heißt du, wo kommst du her, was studierst du hier?”. Irgendwann standen B. und ich ein Stück vom Kicker weg, an die Wand gelehnt, und unterhielten uns darüber, warum genau wir nach Island sind. 2 Meter neben uns war die Tür zu den Toiletten. Irgendwann kam ein Typ auf uns zu – blond, groß, Anzug, sehr gutaussehend und sagt was auf Isländisch. Wir machen ihm klar, dass wir ihn nicht verstehen – In English, please?! – und er fragt, ob wir auch anstehen oder nur so dastehen. Wir stehen nur so da, sagen wir. Und er fragt, wo wir herkommen. Irgendwie entwickelt sich ein Gespräch, wir quatschen vllt. eine Viertelstunde über alles mögliche. Die anderen Mädels kommen irgendwann dazu, sie wollen weiterziehen, noch woanders hin, wo es angeblich Freibier geben soll. B. sagt sofort ja, ich zögere, überlege, entscheide mich, zu bleiben. Erzähle das dem Typen (er heißt übrigens A.) und er freut sich tatsächlich. Als die Mädels weg sind, gehen wir an die Bar, er will mir was ausgeben “Because you are the first German girl I really understand, the others have such a strong German accent.”
Also sitzen wir da, relativ eng, weil es so voll ist, mit unseren Gin Tonics. Wir reden weiter, über Deutschland, Island, die Wirtschaftskrise, über den Kölner Dom, über Sprachen, es ist echt richtig richtig angenehm und A. scheint wahnsinnig nett zu sein. Irgendwann, ich habe längst kein Zeitgefühl mehr, ist mein Glas leer und ich stelle es auf einen gerade freien Barhocker. A. schaut mich an: “What? I can’t get beaten by a girl!” – und trinkt sein noch ziemlich volles Glas komplett leer.
Ich brauche Luft und eine Zigarette, frage ihn, ob er mit nach draußen kommt, macht er, also stehen wir im kalten Nieselregen, an die Hauswand gelehnt, wieder eng nebeneinander, weil sich alle draußen an die Wand quetschen, in der Hoffnung, dort weniger vom regen abzubekommen. Ich rauche, wir reden. Und reden und reden und reden. Er bringt mir ein paar Sätze Isländisch bei, die ich irgendwie sogar aussprechen kann, was am Alkohol liegen muss, ich bringe ihm ein bisschen Deutsch bei. Nachdem ich die Kippe auf die Straße werfe, steht er auf einmal vor mir, und zum ersten Mal reden wir nicht. Er schaut mich nur an. Schaut mich an, nimmt meine Hände in seine – und küsst mich.
Uni
1. September 2009
Gestern und heute war dann die erste Begegnung mit der Uni. Leute, ich sag euch was, wenn ihr Deutschland für bürokratisch haltet, kommt nie nach Island.
Der absolute Wahnsinn. Am Freitag haben wir uns beim Einwohnermeldeamt oder so ähnlich registriert, bzw. einen Antrag auf die ID-Nummer (isländisch kennitala) gestellt. Denn erst, wenn man diese Nummer hat, die die Isländer von Geburt an haben, kann man sich überhaupt erst richtig an der Uni einschreiben. Da hieß es, unsere kennitala sei am Montag da und wird zur Uni gefaxt. Also waren wir gestern bei der Uni. Am Service Desk muss man erstmal einen Nummer ziehen und dann eben warten. Es war alles voller Austauschstudenten, von überall hörte man ein Sprachwirrwarr, das war irgendwie cool ^^
Als wir dann dran waren die Enttäuschung: Nö, eure kennitala ist noch nicht da. Aber ich geb euch schonmal die Formulare, die füllt ihr aus und gebt sie morgen wieder ab, dann müsste die ID auch da sein.
Später war dann noch das Orientation meeting for international students, da gab es so viel Infos, dass ich am Ende echt nicht mehr wusste, wo ich bin, wie ich heiße, und überhaupt. Heftig.
Gestern Abend haben wir (meine Mitbewohnerin P und ich) uns dann noch mit unseren französischen Nachbarn (sie ist übrigens halb irisch halb französisch, sehr interessant!) und 2 anderen deutschen Mädchen getroffen um was trinken zu gehen. Wurde ein richtig schöner Abend in einer tollen Bar mit buy one get one free-Bier, irgendwann saßen wir dann zu ich hab keine Ahnung wievielen Erasmusleuten an einem Tisch, Deutsche, Franzosen, Spanier, Finnen, Italiener – hach, schön!
Heute war dann das Begrüßungsmeeting von unserer Fakultät, auch wieder Infos ohne Ende, und der nächste Versuch am Service Desk, diesmal erfolgreich, unsere kennitala ist da!
Also Registrierungsformular abgeben und danach zum nächsten Meeting, bzgl. Isländischkurs. Da dann die nächste große Überraschung: wir hatten uns bisher für die völlig falschen Kurse angemeldet und eingetragen, weil unser Dozent in Deutschland scheinbar keine Ahnung hatte. Also neue Kurse raussuchen, wieder ein Formular ausfüllen und abgeben, das Learning Agreement für Erasmus neu schreiben und irgendwie unterschreiben und stempeln lassen und nach Deutschland schicken…
Zwischendurch noch erfahren, dass der eine Dänischkurs, den wir belegen wollten, gar nicht mehr angeboten wird, also wird es statt dänischer Jugendsprache (hätte ich so gern gemacht!!!) jetzt dänische Gegenwartsliteratur. Wenn überhaupt. Denn mit Isländisch haben wir schon unsere 30 ECTS voll, und wir dürfen maximal 40 haben, bleibt die Frage, ob der Kurs “Dänische Sprache und Sprachgebrauch III” mit 5 oder mit 10 ECTS gewertet wird? Wenn es 5 sind, könnten wir noch den Kurst “Isländische Kultur” dazuquetschen, ansonsten bleibt es bei “Vocabulary I”, “Speech and pronounciation I”, “Self study” und “Dänische Sprache und Sprachgebrauch III”. Mal sehen.
Die Unigebäude kenne ich jetzt zum Teil auch schon, eine kurze Führung für die neuen Studenten hab ich heute mitgemacht, morgen gibts eine Schnitzeljagd(?) auf dem Campus, mal abwarten, wie das wird. An sich ist die Uni echt toll, alles auf einem Campus, das kenn ich ja bisher so gar nicht. Die Cafeteria (als Mensaersatz) hat eine große Auswahl, sogar bezahlbar, doch, die Uni gefällt mir. Bis auf den ganzen Papierkram.
Zum mehr Fotos machen kam ich noch gar nicht, meine Kamera ist verschwunden -.-
Wir durften gestern noch in ein größeres Zimmer umziehen und haben erstmal alles irgendwie in die Koffer geschmissen und rübergeschleppt, ich hoffe, dass sie spätestens am Donnerstag, wenn wir endlich ins Appartment dürfen und endlichendlich mal auspacken können, wieder auftaucht. Obwohl ich sie morgen bei der “Me.et your bud.dy-pa.rty” (Punkte, damit es nicht googlebar ist) schon ganz gerne hätte…
Auf meinen Buddy bin ich übrigens mal sehr gespannt, der Gute meldet sich nämlich nur höchst spärlich bis gar nicht bei mir und reagiert weder auf Emails noch auf SMS… Achja, und eine isländische Simkarte hab ich jetzt auch. Höchst praktisch, weil SMS und anrufen zu anderen mit dem gleichen Netzbetreiber sind umsonst, und alle Erasmusleute haben die Karte umsonst bekommen…
Boah, ich bin so voll von neuen Eindrücken und Bildern und Menschen und Sprachen. Das Leben lebt sich selbst gerade, und das mit einer Geschwindigkeit, dass ich kaum mitkomme. Aber es macht Spaß! Wirklich.
(Und Reykjavík gibt mir so sehr das Zuhause-Gefühle, nachdem ich mich gesehnt habe, ich wage es kaum zu glauben, ehrlich.)