Wochenendausflug
14. September 2009
Endlich komme ich mal zum schreiben!
Am Samstag war ich also auf dem ersten “größeren” Ausflug, seitdem ich hier bin. Das Aufstehen um halb 7 fiel mehr als schwer, aber die Aussicht, den Tag endlich mal außerhalb der Stadt zu verbringen und endlich mal was von Island zu sehen, war dann doch verlockend genug.
Um 8 war der Treffpunkt, vor der Uni. Wir waren mit 2 Bussen unterwegs, unserer sah alles andere als vertrauenserweckend aus. Der Fahrer und der Guide waren die komplette Fahrt über damit beschäftigt, die Frontscheibe einigermaßen “durchsichtig” zu bekommen, alles war so dermaßen beschlagen und angelaufen, heftig. Wir saßen ziemlich weit vorne, und hatten so dummerweise immer den perfekten Blick auf die Frontscheibe – gruselig. Der Fahrer hatte zwischenzeitlich immer mal wieder ein “Fenster” von vllt. 10 x 10 cm, um überhaupt die Straße zu sehen…
Aber naja, es ging gut und nach etwas über einer Stunde Fahrtzeit kamen wir beim “rettír” an. Das erste, was ich sah, waren unglaublich viele Autos. Die Isländer sind da sowieso sehr speziell, irgendwie fährt jeder einen Geländewagen/Jeep/wie auch immer, selbst in der Stadt.
Zwischen den Autos dann Steinmauern, zwischen 1,50 und 2 Meter hoch, oben mit Gras bewachsen. Die Form der Mauern kann ich schlecht beschreiben, hier sind man es ziemlich gut. Zuerst werden die Schafe aus der kompletten Gegend mit Pferden und Autos von den Bauern in den inneren Kreis (in der Grafik der weiße) getrieben. Da sind dann sämtliche Tiere der Bauern aus der Gegend drin, die eben den Sommer über “allein” und frei in der Landschaft verbracht und sich dort natürlich mit den anderen Herden gemischt haben.
Anhand der Ohrmarken werden sie dann “sortiert”, jeder Bauer hat einen (in der Grafik rot/blau/weiß) Pferch, in dem die Schafe gesammelt werden. Mitmachen kann jeder, der sich das zutraut, und so waren die Menschen in dem weißen Kreis sehr sehr gemischt: alte Bauern, viele viele Jugendliche, Erwachsene, Kinder, Erwachsene mit Babys in der Bauch- oder Rückentrage, Kleinkinder, die so gerade laufen konnten…
Und die Pferde, überall Reiter und Pferde, und in mir der Wunsch, endlich mal wieder zu reiten, und wenn ich schon in Island bin muss ich doch mal ein Islandpferd reiten! Aber bald, irgendwann im Oktober, wird vom gleichen Veranstalter ein Reittrip angeboten und ich werde mit bei den ersten sein, die sich anmelden…
Es war schon toll und sehenswert, das Ganze. Nur leider waren wir viel zu lange dort, 2 Stunden Schafe, Regen, Wind sind zu viel.
Danach ging es dann weiter zum Gullfoss. Der Wasserfall an sich war toll, wirklich. Aber das Ganze war für meinen Geschmack viel zu touristisch, mit Souvenirshop und Restaurant und so. Ich mag das nicht und bin, gerade bei ‘natürlichen’ Sehenswürdigkeiten, lieber mit mir und dem Rest der Welt allein, ohne Plastikpinguine made in Taiwan, amerikanischen Touristen die alles “amazing!” finden und so weiter. Nee. Nix für mich.
Nach dem Wasserfall ging es dann dahin. Wieder touristisch, aber nicht so schlimm wie beim Gullfoss. Außerdem, Wasserfälle hab ich vorher schon gesehen, Geysire nicht. Es war schon wahnsinnig, irgendwie. Man läuft da über ein Schlammfeld, auf dem Boden überall kleine Bäche, die fröhlich vor sich hin dampfen und blubbern, überall warmer bis heißer Wasserdampf, und dann dieses mit blauen Seilen eingegrenzte blubbernde Wasserloch. Man steht dort, schaut auf das Wasser, und auf einmal bildet sich über dem mitten im Wasserloch liegenden kleinen Krater eine Blase, als würde sich das Wasser über irgendetwas drüberstülpen. Es dampft mehr, und zssssssssch! das war’s. Eine vllt. 20 Meter hohe Wasser(dampf)fontäne steigt auf und ist, fast schneller als man gucken kann, wieder weg. Alle 6 bis 8 Minuten wiederholt sich das Ganze. Das war dann Strokkur. Neben dem ‘Butterfass’ gibt es noch einige kleinere, die aber entweder noch nicht oder nicht mehr aktiv sind, so auch der storí geysir, der ‘Vater’ aller Geysire, der gar nichts mehr macht. Ein paar Meter neben Strokkur ist eine Art Teich. Glasklares blaues Wasser, fast kochend, und trotzdem glasklar. Wenn man da eine Weile danebensteht und in Gedanken versunken in dieses unbeschreiblich blaue Wasser schaut, sieht man danach aus wie verschimmelt – der Wasserdampf legt sich ganz dünn auf alles, auf die Haut, die Kleidung, die Haare, die Taschen, es sieht aus wie so ein flauschiger, haariger Schimmel, zB auf Joghurt oder so.
Die Geysire waren toll. Und gaben das erste Mal das “Wow, ich bin tatsächlich in Island! Geysire!!!!”-Gefühl.
Weiter ging es, zum Þingvellir. Und dort angekommen trotz Kälte und Regen und Wind sofort wieder das eben beschriebene Gefühl. þingvellir ist Geschichte in der Gegenwart, wenn man weiß, was dahinter steckt, hinter der Seen-Bach-Wiesen-Berglandschaft, es war so umwerfend. Allein der Weg dorthin, eine Schotterpiste über einen Vulkan, der eigentlich jederzeit wieder aktiv werden könnte, ich kann das gar nicht beschreiben. þingvellir selbst ist so dermaßen schön und atemberaubend und man atmet die Geschichte Islands, da hat der Regen nicht mehr gestört. Wenn man vorm lögberg steht, dem ‘Felsen’, von dem aus Gesetze jedes Jahr beim alþing rezitiert wurden, und wenn man weiß, das es so war, das ist wirklich, mir fällt kein Wort ein. Allein wegen diesem Punkt hat sich der Ausflug gelohnt!
Danach fuhren wir dann wieder zurück nach R. Durchgefroren, klatschnass, müde – aber glücklich.
Ich hab ca 200 Fotos gemacht, die ich demnächst mal durchschauen und einen Teil davon hochladen werde, im Moment ist die Internetverbindung (wetterbedingt) einfachzu schlecht.
Angekommen!
28. August 2009
Alles super.
Flug war gut, Gepäck kam auch an (alle 4 Gepäckstücke insgesamt), Geldautomat am Flughafen war so nett, mir Geld zu geben.
Dann also mit dem Bus bis zum Busterminal, da aussteigen und je nach Hotel/Guesthouse/wie auch immer in kleinere Busse umsteigen.
Irgendwann angekommen, mitten in der Nacht, und so.
Unser Zimmer, das wir bis Donnerstagmorgen haben, ist winzig, 10m² zu zweit mit Etagenbett ist alles andere als toll, aber machbar.
Unser Vermieter scheint total nett zu sein, wir durften auch schon ganz kurz ins Appartment gucken, in dem wir dann ab Donnerstag wohnen – riesig!
Trotzdem erscheint das alles noch sehr unwirklich und bis mein Kopf in der Realität angekommen ist, dauert es wohl noch ein paar Tage.